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Nachahmungen, Imitationen, Beischläge
Erfolgreiche und beliebte Münzen sind auch im Mittelalter außerhalb ihres Ursprungsortes nachgeahmt worden. Die Gründe sind vielfältig: Teils folgte man einfach erprobten Mustern, teils wollte man am Erfolg des Vorbildes mitverdienen und den eigenen Münzen die gleiche Verbreitung sichern, teils nahm der internationale Geldverkehr nur bestimmte Sorten an. Diese Art von Nachahmungen hielt in der Regel auch die Güte (Edelmetallgehalt) des Vorbildes ein, wie etwa die Florene des 14. Jhs. Häufig haben Nachahmungen aber auch einen kriminellen Hintergrund, wenn nur noch das Bild, nicht aber die innere Güte dem Vorbild entsprach. Einen besonderen Fall stellen die sog. pseudo-imperialen Prägungen in den Staaten der Völkerwanderungszeit dar. Einen anderen Fall bilden Beischläge in Regionen, die noch nicht an geldwirtschaftliche Verhältnisse gewöhnt sind, wie Skandinavien und die westslawischen Gebiete im 10. und 11. Jh.
Herzöge, Grafen, Fürsten
Das ursprünglich nur dem König bzw. Kaiser zustehende Münzrecht ist seit dem 10. Jh. in Deutschland und Frankreich auch auf den weltlichen Adel übergegangen, teils durch königliche Delegation, teils infolge der Schwäche des Königtums durch Usurpation und Gewohnheitsrecht. Während in Frankreich die Münzprägung des Adels durch das Königtum im Laufe der Zeit zurückgedrängt und am Ende des Mittelalters ganz aufhörte, ist sie im Gebiet des Deutschen Reiches zu einem festen Bestandteil des Münzwesens geworden und im 13. Jh. durch das Königtum auch formal sanktioniert worden.
Kreuzzüge und Kreuzfahrerstaaten
Der Aufruf Papst Urbans II. zur Befreiung Jerusalems von den Heiden im Jahre 1095 hatte ein ungeahntes Echo. Im Ergebnis des 1099 zur Eroberung Jerusalems führenden ersten Kreuzzuges entstanden als erste Kreuzfahrerstaaten das Fürstentum Antiochia, die Grafschaft Edessa, das Königreich Jerusalem (nach dem Verlust Jerusalems 1187 nach Akkon verlegt) und die Grafschaft Tripoli. Das in den Kreuzfahrerstaaten in der ersten Hälfte des 12. Jh. zunächst ausgegebene Kupfergeld steht in normannisch-sizilischer und byzantinischer Tradition. Die ab etwa Mitte des 12. Jh. anlaufende Denar- und später Groschenprägung folgt europäischem Muster. Bemerkenswert sind Imitationen islamischer Gold- und Silbermünzen mit einer Mischung aus arabischem und christlichem Gepräge. Mit dem Fall von Akkon 1291 endete die europäische Münzprägung im Heiligen Land.